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Wann ist eine SCADA-Modernisierung sinnvoll?

Wenn aus einer bewährten SCADA-Umgebung langsam ein Engpass wird

Viele SCADA-Systeme funktionieren im Alltag immer noch zuverlässig, auch wenn sich die Anforderungen rund um sie längst verändert haben.

Herausforderungen entstehen meist dort, wo Daten breiter genutzt, Systeme stärker integriert oder neue digitale Anwendungen angebunden werden sollen.

SCADA-Modernisierung beginnt nicht beim Systemwechsel

Produktionsdaten werden heute weit über die Leitwarte hinaus gebraucht. Für Instandhaltung, Reporting, standortübergreifende Auswertungen, Analytics oder KI müssen Informationen schnell, zuverlässig und im richtigen Kontext verfügbar sein.

Damit rückt die SCADA-Umgebung stärker ins Zentrum der gesamten Datenarchitektur. Sie muss nicht nur Prozesse visualisieren, sondern Daten auch so bereitstellen, dass weitere Systeme und Anwendungen sinnvoll darauf aufbauen können.

5 Zeichen, dass sich eine Modernisierung lohnt

Modernisierungsbedarf zeigt sich oft im Alltag. Die folgenden fünf Punkte geben einen guten Hinweis darauf, wo eine bestehende SCADA-Umgebung neue Anforderungen nicht mehr optimal unterstützt.

Prozessdaten bleiben in der Leitwarte

Ein erstes Signal für Modernisierungsbedarf ist ein eingeschränkter Zugang zu Prozessinformationen.

In vielen Anlagen sind Echtzeitdaten vor allem auf lokalen HMI- oder SCADA-Bildschirmen verfügbar. Andere Bereiche müssen sich die Informationen über Exporte, Screenshots oder Excel-Dateien beschaffen.

Das ist mehr als eine Frage des Komforts.

Wenn Daten nur mit Verzögerung oder über manuelle Schritte verfügbar sind, werden Analysen aufwendiger und Entscheidungen langsamer. Gleichzeitig arbeiten unterschiedliche Bereiche schnell mit unterschiedlichen Informationsständen.

Moderne SCADA- und Visualisierungskonzepte setzen deshalb stärker auf webbasierte Zugänge, rollenbezogene Ansichten und die sichere Bereitstellung von Informationen auf unterschiedlichen Endgeräten.

Nicht, damit Bedienbilder moderner aussehen, sondern damit die richtigen Informationen dort verfügbar sind, wo sie gebraucht werden.

Woran Sie es merken: Daten sind nur lokal verfügbar, Informationen werden per Screenshot oder Excel weitergegeben.

Historische Daten sind vorhanden, werden aber kaum genutzt

Viele Unternehmen verfügen über grosse Mengen historischer Prozess- und Produktionsdaten. Im Alltag werden diese jedoch häufig erst dann betrachtet, wenn bereits etwas passiert ist.

Bei einer Störung. Bei einer Qualitätsabweichung. Oder wenn nachträglich geklärt werden muss, warum ein Prozess anders gelaufen ist als erwartet.

Dabei steckt in diesen Daten deutlich mehr Potenzial.

Historische Informationen können helfen, Muster zu erkennen, Entwicklungen zu vergleichen und wiederkehrende Abweichungen früher sichtbar zu machen. Dafür müssen die Daten aber einfach zugänglich, sinnvoll strukturiert und mit dem richtigen Kontext verbunden sein.

Genau hier setzt auch der Gedanke «From Data to Action» an: Daten allein verbessern keinen Prozess. Wert entsteht erst dann, wenn Informationen miteinander verbunden, verstanden und für konkrete Entscheidungen nutzbar werden.

Woran Sie es merken: Historische Daten werden hauptsächlich bei Störungen oder für einzelne Auswertungen genutzt.

Skalierung wird zum Prüfstein

Spätestens bei Erweiterungen zeigt sich, wie flexibel eine bestehende SCADA-Architektur wirklich ist.

Eine neue Linie kommt hinzu. Ein weiterer Standort soll integriert werden. Zusätzliche Benutzer benötigen Zugriff. Oder Daten sollen zentral ausgewertet werden.

Wenn daraus jedes Mal ein eigenes Engineering-Projekt entsteht, steigt die Komplexität schnell.

SCADA-Modernisierung bedeutet hier nicht automatisch, eine bestehende Umgebung zu ersetzen. Häufig geht es darum, bewährte Systeme gezielt weiterzuentwickeln, mit stärker standardisierten Architekturen, wiederverwendbaren Komponenten, zentralerer Verwaltung und besseren Integrationsmöglichkeiten.

Gerade bei mehreren Anlagen oder Standorten wird das entscheidend. Je mehr Systeme, Benutzer und Anwendungen zusammenkommen, desto wichtiger ist eine Architektur, die nicht bei jeder Erweiterung neu aufgebaut werden muss.

Woran Sie es merken: Neue Linien, Standorte oder Benutzer verursachen immer wieder zusätzlichen Engineering-Aufwand.

Die Benutzerumgebung wird Teil der Digitalisierung

Auch die Bedienung selbst kann zeigen, dass eine Umgebung an Grenzen kommt.

Wenn Anwender nur über einzelne Arbeitsstationen Zugriff haben oder ältere Clients moderne Arbeitsweisen einschränken, betrifft das nicht nur den Bedienkomfort.

Produktion, Instandhaltung und Engineering arbeiten heute in unterschiedlichen Situationen und mit unterschiedlichen Informationsbedürfnissen.

Der Operator benötigt andere Informationen als die Produktionsleitung. Die Instandhaltung braucht im Fehlerfall schnellen Zugriff auf relevante Prozessdaten. Technische Verantwortliche möchten Entwicklungen vergleichen und Zusammenhänge analysieren.

Eine moderne Benutzerumgebung bedeutet deshalb nicht automatisch mehr Funktionen. Entscheidend ist vielmehr, dass unterschiedliche Rollen gezielt auf die Informationen zugreifen können, die sie tatsächlich benötigen.

Woran Sie es merken: Der Zugriff ist an bestimmte Arbeitsplätze gebunden und Informationen sind nicht rollenbezogen verfügbar.

OT-Daten werden zur Grundlage weiterer Digitalisierung

Analytics, Energieauswertungen, OEE, Reporting oder KI-Anwendungen haben eine gemeinsame Voraussetzung: verlässliche operative Daten.

Wenn diese Daten in einzelnen Systemen isoliert bleiben, wird jedes neue Digitalisierungsprojekt unnötig aufwendig.

Dann entstehen individuelle Schnittstellen, Sonderlösungen und manuelle Datenwege. Kurzfristig funktionieren solche Lösungen häufig gut. Mit jedem weiteren System steigt jedoch der Aufwand für Betrieb und Wartung.

Eine moderne SCADA-Architektur kann hier eine wichtige Rolle übernehmen.

Sie stellt Prozessinformationen nicht nur für die Visualisierung bereit, sondern schafft eine verlässliche Grundlage für weitere Anwendungen. Besonders relevant wird das, wenn bestehende Produktionssysteme mit Historian-, Reporting-, Analytics- oder Industrial-Data-Plattformen verbunden werden sollen.

Woran Sie es merken: Neue Anwendungen benötigen individuelle Schnittstellen oder eine aufwendige Aufbereitung der OT-Daten.

Modernisierung ist oft ein schrittweiser Ausbau

Eine SCADA-Modernisierung muss kein Neustart sein.

In vielen Fällen ist ein schrittweiser Ausbau sinnvoller. Bestehende Investitionen bleiben erhalten, während neue Möglichkeiten für Datenzugang, Visualisierung, Analyse und Integration ergänzt werden.

Gerade für Anwender von Proficy iFIX oder CIMPLICITY oder anderen etablierten Industrieplattformen ist das ein wichtiger Punkt.

Es geht nicht darum, bewährte Systeme grundsätzlich infrage zu stellen. Es geht darum, sie so weiterzuentwickeln, dass sie auch in einer moderneren industriellen Softwarelandschaft ihren Platz behalten.

Sechs Fragen für die eigene SCADA-Umgebung

Eine erste Einschätzung muss deshalb nicht mit einer langen Featureliste beginnen. Oft reichen einige einfache Fragen:

  1. Wer benötigt heute Zugriff auf welche Prozessdaten?
  2. Welche Informationen werden noch manuell weitergegeben?
  3. Wo entstehen Excel-Exporte, Screenshots oder andere Medienbrüche?
  4. Welche historischen Daten werden gesammelt, aber kaum genutzt?
  5. Welche Digitalisierungsprojekte werden durch fehlenden OT-Datenzugang erschwert?
  6. Welche Anlagen oder Standorte lassen sich nur mit grossem Aufwand erweitern?

Die Antworten zeigen oft schnell, ob eine SCADA-Umgebung noch zur aktuellen Betriebsrealität passt oder ob einzelne Bereiche gezielt weiterentwickelt werden sollten.

Schrittweise zur zukunftsfähigen SCADA-Umgebung

Eine stabile SCADA-Umgebung ist eine gute Basis. Zukunftsfähig ist sie aber nicht allein deshalb, weil sie zuverlässig läuft. Modernisierung wird dort relevant, wo Prozessdaten nicht mehr nur angezeigt, sondern breiter genutzt werden sollen für mehr Transparenz, einfachere Analysen, bessere Integration und neue digitale Anwendungen.

Der erste Schritt ist deshalb nicht der Systemwechsel.

Sondern die Frage:

Wo unterstützt uns unsere heutige SCADA-Umgebung noch gut und wo macht sie neue Anforderungen unnötig kompliziert?

Häufige Fragen zur SCADA-Modernisierung

Muss ein bestehendes SCADA-System für eine Modernisierung ersetzt werden?

Nein. Eine Modernisierung kann schrittweise erfolgen. Je nach bestehender Umgebung können beispielsweise Datenzugriff, Visualisierung, Historisierung oder Integration erweitert werden, ohne das gesamte SCADA-System zu ersetzen.

Wo sollte eine SCADA-Modernisierung beginnen?

Das hängt von der bestehenden Umgebung und den konkreten Anforderungen ab. Ein guter Ausgangspunkt ist die Frage, wo heute manuelle Datenwege, eingeschränkte Zugriffe oder hoher Integrationsaufwand entstehen.

Lassen sich bestehende iFIX- oder CIMPLICITY-Systeme modernisieren?

Ja. Bestehende Proficy iFIX- und CIMPLICITY-Umgebungen können schrittweise erweitert und mit weiteren Lösungen für Visualisierung, Historisierung und Datenintegration kombiniert werden.

Weiterführende Quelle: Dieses Insight basiert unter anderem auf dem eBook von Velotic Modern HMI/SCADA Guidebook for Efficient Operations. Dort finden Sie weitere Hintergründe zur Modernisierung von SCADA-Umgebungen.

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